Aufnahmen: Terci@s Compas Zapatistas
Musik: »No te salves«, Mexicanto; Text: Gedicht von Mario Benedetti: »No te salves – Du wirst dich nicht retten«
Ein Gemeinschaftstraktor und der Fall des verrückten Papageien.
VIII.- Fragen.
(sowie neue Mail-Adressen, um sich zu registrieren)
Wer ist Besitzer dieses Vogels? Falls es ihn gibt, besitzt er auch dessen umherziehenden Flug und weittönenden Gesang, um seine*n Gefährt*in zu rufen? Dessen Angst, die den Schatten des Raubtieres ahnt – gehört dies zum Inventar eines besitzenden Unternehmens?
Lebt der alte und verdorrte Baum in den Flammen eines Lagerfeuers zu anderer Zeit wieder auf – wenn dadurch Essen, Wärme, ein Zusammenkommen von Kalendern und Geographien ermöglicht werden? Lebt er in den Händen derer erneut, die aus ihm Löffel, Stiele von Äxten (zukünftige Scharfrichter anderer alter und dürrer Bäume), Gitarren, Klaviaturen und Marimba-Klanghölzer schaffen? Ein Wechsel des Besitzers beim Ändern von Form, Verwendung, Nutzen wie Zweck?
Wer besitzt diese Wolke? Der Vogel, der in sie hineinfliegt, das Flugzeug, welches sie mit seiner tödlichen Last unverschämt durchquert, der Regen, der Ernte bringen wird, ihr Reise-Ziel im Wind? Das Kriegsschiff, welches mit seinen Waffen das Meer bedroht?
Die das Land bearbeiten, besitzen sie das Land – so wie der Fischer die Wellen besitzt, auf denen er segelt? Der sich dunkel-ockerfarben schlängelnde Fluss besitzt er die durch ihn gewaltsam veränderten Flussläufe? Die Hängebrücke fügt sie Ufer, Schritte und Besitztümer zusammen?
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Haben Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft Eigentümer? Wer ist der Besitzer von Kalender und Geographie? Wer der von Haut, Wort, Modus, Statur, Geschichte?
Sagt die alte Frau, wenn sie von ihrer Vergangenheit spricht: »Ich hatte«? Besteht der erwachsene Mensch auf: »Ich habe« – wenn er seine Gegenwart beschreibt? Entwirft der jugendliche Mensch seine Zukunft mit: »Ich werde haben«? Ist das Kind Kind, weil es noch nicht das Verb »besitzen« kennt?
Fordert der alte Mann, dass die Welt mit ihm … und seinen Kategorien … altert? Verlangt der Jugendliche, sie bewege sich – unter technologischer Knechtschaft erneuert – nach seinem Rhythmus? Das Kind sieht mit Staunen die Welt an, und entdeckt beim Betrachten die Lust und die Freude erstaunt?
Reklamieren die Kinder, die beim Spielen ohne Ziel herumlaufen, den Besitz ihres Spiels? Handhaben sie dabei Einnahmen, Ausgaben, Zölle und Gewinnmargen? Sind sie Eigentümer des Lachens, des Weinens beim Hinfallen, der Empörung angesichts einer List? Ist das Teil des Kalenders [ihres Lebensalters] oder ein Vorstadium von Eigentumsbewusstsein, der Anerkennung von Besitz?
Weiß sich das Kind im Bauch der Mutter, und später an ihrer Brust, zu Hause? Wird es eine Ansammlung von Trümmern, Ängsten, vervielfachter Einsamkeit erben? Wird es sein Morgen in den Statistiken der Nicht-Geborenen, der Vertriebenen und Verschwundengemachten, der Gekauften und Verkauften, der Ausgebeuteten und Verachteten finden? Ist es Teil des Verzeichnisses der zukünftigen Alpträume?
Wenn wir »Palästina« sagen, benennen wir damit Tod und Zerstörung? Oder zeigen wir einen Kampf für das Leben auf? Fassen wir in diesem Wort die ganze Welt zusammen? Bedeutet es eine andere Form zu sagen: »Wir werden sein«?
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Wer liebt, der*die besitzt oder wird zum Besitz?
Betrachten sich Verliebte, direkte Blicke vermeidend, mit ihren Händen und Bewegungen beim Tanz? Ist die Leerstelle, die in ihrer Brust wehtut, ein Zeichen von Besitz?
Wenn eine junge Miliciana meint: »Liebe ist wie der Wind, der früh am Morgen auf dem Maisfeld erfrischt. Entlieben ist die sengende Sonne am Mittag« – hat sie ihre Definition einer KI entnommen? Liebe ist ein Kauf-Verkauf-Vertrag? Worin der Besitztitel registriert wird?
Wenn eine junge Insurgenta erklärt, das Einzige, was sie vom Schlafen abhalte, seien die Mückenstiche der Zancudos« – stellt sie eine Interessenhierarchie innerhalb ihres Kalenders auf? Wenn eine andere Insurgenta sich beschwert, es fehlten die passenden Lieder, wenn sie einen Jungen gerade erst kennengelernt hat – zeigt das eine große Lücke innerhalb [des Genre] der Liebeslieder auf?
Diese Musik, dieser fliegende Tanz, diese Farbe auf Leinwänden und Mauern, diese Buchstaben, die danach streben, weit zu gehen, diese in Stein, Metall, Holz gearbeiteten Träume, diese Frau, die beim Auswendiglernen der Zeilen begreift, dass sie sie leben muss, diese Filmsequenz, die ihre eigene Wirklichkeit schafft – sind sie Eigentumserklärungen?
Resignieren und fügen sich die Künste oder enthüllen sie sich, decken auf und rebellieren?
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Ist dieser Text nur ein Vorwand, um neue Mail-Adressen bekannt zu geben – oder ist das nur ein Alibi für den Text?
encuentroryragosto26@gmail.com
Wenn ich all das frage (und noch mehr, aber dazu reichen die Megabytes nicht), erwarte ich dann Antworten – oder feiere ich, dass Blicke und Betrachtungen – mehr als Gewissheiten – Zweifel und Fragen produzieren?
(Fortsetzung folgt mit einer Erzählung …)
Aus den Bergen des Südosten Mexikos,

Der Capitán.
Mexiko, Juni 2026.
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