EIN GEMEINSCHAFTLICHES DACH
Eine Konstruktion mitten in den Bergen. Eine Berufung zur Gesundheit. Eine Maurertechnik. Tausende Hände und Willenskräfte, darunter auch einige von jenseits der Meere. Unterschiedliche Farben, Größen, Sprachen, Kulturen und Formen, und ein gemeinschaftliches Dach.
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Das Gießen muss hintereinanderweg erfolgen. Nicht in Teilen, sonst wird das Dach nicht gut. Man muss sich also zusammentun, aber organisiert. Mit dem Gießen eines Daches ist es wie beim Tanzen: Jede Person kennt ihren Platz und weiß, was sie machen muss und mit wem. Und wenn es regnet, ist alles im Eimer. Also müssen die Erfahrensten gefragt werden und es braucht Aufmerksamkeit und Bereitschaft. Dann wird ein Tag festgelegt, alle kommen und die Aufgaben werden verteilt. Das muss früh am Morgen geschehen, sonst wird die Hitze unerträglich und am Ende sieht man aus wie eine vergiftete Kakerlake. Und wenn alles fertig ist, lachen wir und trinken Pozol. Zum Essen gab es Rindfleisch, das wir gemeinschaftlich verschlungen haben. Draußen gibt es kein Fest, aber in unseren Herzen. „Das gehört uns“, denken wir. Und wir wissen, dass es allen und niemandem gehört. Ein Operationssaal ist ein Ort, an dem diejenigen, die wissen, wie man mit dem Skalpell umgeht, das Böse aus dir herausholen, als würden sie einen schlechten Gedanken entfernen. Das dauert und du bist dann angeschlagen, aber so ist das Leben: Das dauert auch und du bist dann angeschlagen, aber es gibt Momente, in denen der Guss fertig ist. Und draußen gibt es kein Fest, aber im Herzen. Bauen ist wie Kämpfen, du tust es, weil du es eines Tages brauchen wirst. Du oder die Deinen, was nicht heißt, dass sie dein Eigentum sind, sondern deine Familie, deine Nächsten, die Compas eben.
Ja, es muss noch jemand kommen, der sich mit Strom auskennt, denn es wird Geräte geben, die besonders sind. Einphasig, zweiphasig, dreiphasig und die Erdung und was weiß ich noch alles. Erde haben wir zwar in Form von Land, aber mit der Elektrizität muss man sich auskennen, sonst gehen die Geräte kaputt und dann war alles umsonst. Das ist, als würde beim Tanzen die Musik ausgehen und du kannst die Cumbia nicht zu Ende bringen. Stell dir vor, du wirst am Bauch operiert und plötzlich fällt der Strom aus, und du bleibst zurück mit deinen Eingeweiden, die wie ein altes Halstuch herunterhängen. Deshalb kommen als Nächstes Elektriker. Da müssen noch welche mit der Bereitschaft für das Gemeinschaftliche gefunden werden. Werden Elektriker auch krank? Sie werden krank und haben demnach auch einen Bedarf. Das fehlt also noch. Und die Fenster und Türen, denn das können nicht irgendwelche Fenster und Türen sein. Ärztinnen und Ärzte? Es gibt schon sozusagen ein Team, aber es werden sicherlich noch mehr kommen. Denn wenn Messer, Machete, Motorsäge, Bohrmaschine da sind, aber keine Person, die einem den Bauch öffnet, dann ist das nutzlos, wie wir hier sagen. Und einige Ärzte haben schon vorbeigeschaut. Ich habe mich nicht sehen lassen, denn was, wenn mich der Arzt sieht und gleich bei mir anfangen will? Und dann ist die spezielle Elektrizität nicht da. Lieber warte ich noch. Aber das Dach ist schon fertig.
Ja, es fehlen noch viele Dinge, aber das Dach ist jetzt da und ein Dach ist wichtig für das Leben. Deshalb haben die Götter den Himmel geschaffen, damit die Welt ihr Dach hat.
Ja, es fehlt, was noch fehlt.
Hoffentlich machen sie Tamales. Ja, und hoffentlich sind sie nicht roh.
Aus den Bergen des mexikanischen Südostens

El Capitán
November 2025
Bilder der Terci@s Compas Zapatistas
Musik von El Cañón del Sonidero «Reina de Cumbias/La cumbia sobre el Río»
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