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Palabra del Ejército Zapatista de Liberación Nacional

May312015

Comandanta Miriam, 6. Mai 2015

DER KAMPF ALS FRAUEN, DIE WIR SIND

Comandanta Miriam, 6. Mai 2015

Guten Abend, Compañeras und Compañeros.

Jetzt bin auch ich dran, Ihnen ein wenig über die Situation der Frauen vor 1994 zu erzählen.

Seit der Ankunft der Konquistadoren erlitten wir die traurige Situation der Frauen. Sie raubten uns unser Land, nahmen uns unsere Sprache, unsere Kultur. Da begann die Herrschaft des Kazikentums, der Großgrundbesitzer, da begannen die dreifache Ausbeutung, die Demütigung, Diskriminierung, die Marginalisierung, die Misshandlung und Ungleichheit.

Weil die verfluchten Patrones uns behandelten als wären wir ihr Besitz. Sie befahlen uns jegliche Arbeit auf der Hacienda zu machen, egal ob wir Kinder, Ehemänner hatten oder krank waren.
Man fragte uns nicht, ob wir krank seien. Wenn wir nicht zur Arbeit kamen, befahl der Patrón seinem Jungen oder dem Sklaven, Mais vor der Küche zu lassen, damit wir die Tortillas für sie machen sollten.

So verging eine lange Zeit, in der wir solcherart im Haus des Patrón arbeiteten. Wir mahlten das Salz, weil das Salz war nicht so wie heute, so feinkörnig, sondern das Salz, das man damals verwendete, waren große Kugeln und die Frauen mussten es mahlen. Und sie mahlten das Salz für das Vieh und mussten zur Zeit der Kaffeeernte die Kaffeebohnen schälen. Wenn die Frau um 6:00 morgens mit der Arbeit begann, arbeitete sie bis 17:00 nachmittags. Während des Tages musste sie fertig werden mit den Säcken an Kaffee, die sie zu schälen hatte.

So arbeiteten die Frauen. So arbeiteten die Frauen unter Misshandlung, das Wasser tragend und das Elend; das heißt, dass man sie elendiglich bezahlte; man gab ihnen eine kleine Handvoll Salz oder gemahlenen Kaffee. Das war die Bezahlung, die sie den Frauen gaben.

Und so vergingen die Jahre, in denen die Frauen litten; und wenn wir, wir Frauen, wenn manchmal unsere Kinder weinten und wir sie dann stillten, dann schrien sie uns an, machten sich über uns lustig, beleidigten uns körperlich, dass wir nichts wüssten, dass wir unnütz sind, ein Ärgernis für sie. Sie respektierten uns nicht und benutzten uns als wären wir ein Objekt.

Sie machten all das, was ihnen die Lust nach einer Frau eingab; sie suchten sich hübsche Frauen oder hübsche Mädchen als ihre Geliebten aus, und hinterließen überall Kinder; es war ihnen egal, ob die Frauen litten, man behandelte sie – mit ihren Kindern, die ohne Vater aufwuchsen – als ob sie Tiere wären.

Sie verkauften uns als wären wir eine Ware, alles das zur Zeit des Acasillamiento; für uns Frauen gab es niemals ein Ausruhen.

Ich werde jetzt ein wenig über Acasillamiento sprechen. Acasillamiento bedeutet: Sie kamen auf einer Hacienda oder einem Rancho an; sie kamen mit Familie und blieben dort und arbeiteten für den Patrón. Die Männer pflanzten den Kaffee, säuberten die Kaffeepflanzungen, ernteten den Kaffee, säuberten die Weiden, säten Zacate (Anm.: eine Futterpflanze); alles das, das Maisfeld zu bearbeiten, die Bohnenfelder, all dies war für den Patrón.
So arbeiteten die Männer.

Aber abgesehen davon gibt es eine andere Sache, von der ich Ihnen erzählen kann. Abgesehen vom Acasillamiento gab es, was wir Diener, Knecht oder Versklavte nennen. Natürlich waren immer Frauen und Männer auf der Hacienda, aber diese Männer und Frauen, die Versklavte oder Diener waren und dort auf der Hacienda blieben, waren manchmal Männer und Frauen, die keine Familie hatten.
Die Familie war lediglich zum Arbeiten auf diese Hacienda gekommen; jedoch manchmal erkrankte der Vater, die Mutter, und starb; und es blieben die Kinder als Waisen zurück; und der Patrón nahm diese Kinder und sie wuchsen dort auf der Hacienda auf. Es ist nicht so, dass er sie als Adoptivkind annahm, sondern als Versklavte. Und was machten diese Kinder? Diese Kinder wuchsen auf und er gab ihnen diese Arbeit. Wenn er ein Haustier hatte – er hatte seine Haustiere: den Hund, den Affen, oder irgendein anderes Tier – gab er es seinem Diener zum Hüten, der passte darauf auf.
Wo der Affe hin ging, da musste der Diener, der Knecht hin gehen, dort musste er auf ihn aufpassen, ihn baden, er musste dort sauber machen, wo das Tier schlief.
So war das.

Später dann, wenn der Patrón ein Fest gab, kamen wie früher die Pfarrer auf die großen Haciendas, wenn der Patrón seine Kinder taufen ließ oder Geburtstag war, oder seine Töchter heirateten, die Trauung machten die Pfarrer. Später dann gaben sie Feste und sagten den Dienern, dass sie die Tür hüten sollten, während sie feierten, mit ihren Paten und Kumpels, mit ihren Freunden zusammen feierten, während der Diener, die Tür hütete und nicht einmal einen Hund einließ, dort wo sie feierten. Den ganzen Tag musste er da sein, solange das Fest des Patrón dauerte.

Und die Versklavten, das waren die Frauen, die das Essen zubereiteten, die Teller abwuschen, auf den Sohn des Patrón aufpassten oder auf die Kinder seiner Freunde.

So lebten die Leute auf den Haciendas, nicht weil man ihnen das Essen gegeben hätte, was auf dem Fest gegessen wurde, nein, sie tranken den Pozol (Anm.: Getränk aus gemahlenem Mais und Wasser), wenn es Pozol gab, oder aßen Bohnen, wenn es Bohnen gab; nur das aßen die Leute, während der Patrón gutes Essen aß – jedoch zusammen mit seinen Freunden.

Später dann, wenn der Patrón in eine Stadt wollte, in eine Stadt, die sechs Tage Fußweg von der Hacienda entfernt lag, war es der Knecht, der ging; oder die Patrones hatten Kinder, und manchmal hatten diese eine Behinderung, der Knecht musste den Sohn des Patrón in die Stadt tragen. Und wenn die Patrona auf die Hacienda zurückkehren wollte, musste wiederum der Knecht dorthin laufen und den Sohn tragend zurückbringen.

Wenn der Kaffee geerntet wurde, und alles andere, was auf der Hacienda zu ernten war, war es der Diener, der Knecht, der sich um die weiblichen Maultiere, die männlichen Maultiere kümmern musste. Ich weiß nicht, ob Sie sich mit Pferden auskennen; sie mussten das Pferd des Patrón satteln und absatteln, das Vieh melken, die Lasten in die Stadt bringen, wo der Patrón lebte. Wenn der Patrón in Comitán lebte, mussten sie gehen und die Lasten in Comitán abladen; die Hacienda verlassend mussten sie gehen, weil man sagte, dass sie Maultiertreiber seien.
Und so litten viele Männer und versklavte Frauen zu dieser Zeit.

Und wenn es dort auf der Hacienda Obstbäume gab, und sie kletterten auf einen, um zu pflücken, sagte man ihnen, dass man sie nicht pflücken lässt, sie wieder herunter steigen müssen, gepeitscht mit einem Chicote (Anm.: Tauende). Ich weiß nicht, ob Sie das kennen, das ist eine Peitsche; sie schlugen sie. Man konnte nicht Obst pflücken ohne Erlaubnis des Patrón; denn alles, was geerntet wurde, wurde in die Stadt gebracht.
So litten die Männer und Frauen.

Nach so viel Leiden der Frauen und nach der Ausbeutung im Acasillamiento merkten die Männer, wie ihre Frauen misshandelt wurden. Einige dachten, es ist besser die Hacienda des Acasillamiento zu verlassen. Einer nach dem anderen ging weg und flüchtete sich in die Berge; weil es blieben die Hügel übrig; das heißt, die Patrones beanspruchten nicht das Land auf den Anhöhen, sondern dieses blieb übrig; und dorthin flüchteten sie. Da sie dachten, dass es besser ist, wegzugehen, damit die Frauen nicht weiterhin zu leiden haben auf der Hacienda.

Bereits danach als einige schon in den Bergen waren und viel Zeit vergangen war, da merkten sie, dass es besser ist, sich zusammen zu tun und eine Gemeinschaft zu bilden; und so kehrten sie in die Berge zurück. Sie taten sich zusammen, sprachen mit einander und gründeten eine Gemeinde, wo sie leben konnten. Derart schufen sie eine Gemeinschaft.

Jedoch als sie bereits in den Gemeinden lebten – wie der Patrón transportierte hier der Acasillado eine andere Idee mit sich. Da die Männer mit dem Patrón verkehrt hatten, so schienen auch sie angefüllt mit schlechten Ideen und wendeten diese innerhalb des Hauses an als kleiner Patrón, als Patroncito des Hauses. Es ist nicht wahr, dass die Frauen befreit wurden, sondern es waren die Männer, die zum Patroncito des Hauses wurden.

Und wieder einmal blieben die Frauen im Haus als wäre es ein Gefängnis, damit sie wieder einmal nicht das Haus verlassen sollten, blieben sie wieder einmal dort eingeschlossen.

Schon als Mädchen geboren, sind wir nicht willkommen in dieser Welt; weil wir Frauen sind, weil ein Mädchen geboren wird. Das heißt, dass man uns nicht liebt. Aber wenn ein Knabe geboren wird, feiern immer noch die Männer; froh sind sie, weil sie Männer sind. Das heißt, einen schlechten Brauch der Patrones weiter zu tragen. Derart war es eine lange Zeit. Damals wenn Frauen geboren wurden, galten sie als unnütz; wenn Jungen geboren wurden, diese konnten alle Arbeiten machen.

Doch das Gute, was sie machten, war, dass sie nicht aufgaben, ihre Gemeinschaft zu bilden. Sie fingen an ihre Gemeinde-Repräsentanten zu ernennen, Versammlungen zu machen; sie lebten, feierten zusammen. Das Gute war, dass sie diese Idee nicht losließen; sie verließen sie nicht, sondern kamen immer wieder darauf zurück. Die Patrones und die Conquista wollten ihre Kultur zum Verschwinden bringen; jedoch täuschten sie sich darin, einfach so eine Gemeinschaft schaffen zu können.

Auch die Männer – weil es ist der Mann, der im Haus befiehlt, und die Frauen sind diejenigen, die dem gehorchen, was der Mann sagt. Und wenn er dir sagt, du wirst heiraten, dann wirst du heiraten. Das heißt, du wirst nicht gefragt, ob du den Mann heiraten willst, der um dich anhält. Weil der Vater nahm bereits den Schnaps, das heißt, er nahm den Schnaps schon vorher an, und zwingt dich den Mann zu heiraten, den du nicht liebst.

So litten wir dieses Mal durch die Ehemänner, weil sie uns sagten, dass die Frauen nur für die Küche taugen, lediglich dazu nutze sind, den Ehemann zu bedienen, die Kinder zu hüten. Und die Männer natürlich nie die Kinder umarmten; das heißt, sie unterstützten die Frauen nicht, sondern sie machten dir ein Kind und was kümmerte sie, wie du dein Kind aufziehst.
Und wie – ich werde jetzt von der Realität sprechen, so wie sie viele Jahre war – und wie manchmal wir Frauen sagten: Jedes Jahr wird ein Baby geboren, jedes eineinhalb Jahr wird ein Kind geboren, das heißt, wie kleine Staturen wachsen die Kinder auf; in ein bis eineinhalb Jahren, schon ist das nächste da; so wie kleine Leitersprossen wachsen die Kinder heran. Aber dem Vater ist es egal, ob die Frau leidet, denn die Frau muss das Brennholz tragen, das Maisfeld bestellen, muss das Haus sauber machen, muss fegen, die Tiere versorgen, die Kleider waschen. Die Frauen müssen das Kind versorgen, es windeln, all das; all das ist Arbeit der Frauen.

Und deshalb sagen wir Frauen, dass wir die dreifache Ausbeutung der Frau erleiden, weil: Die Frau muss um 3:00 oder 4:00 morgens in der Küche sein, es hängt davon ab, wann die Männer zur Arbeit gehen. Die Frauen müssen frühzeitig aufstehen, um den Pozol zu machen, den Kaffee, das Frühstück für den Mann. Der Mann geht zur Arbeit, kommt am Nachmittag zurück und möchte, dass sein Wasser her getragen wurde, dass Wasser zum Baden da ist. Der Mann badet sich, verlässt das Haus, um spazieren zu gehen, zu spielen, und die Frau verbleibt wieder einmal den ganzen Tag im Haus; bis hin zum Abend, bis zu dieser Stunde, hat die Frau noch nicht geschlafen, bis sie dann um 20:00 schlafen geht.

Und solcherart erleiden wir viel.
Es ist dem Mann egal, ob du krank bist, wie du dich fühlst, er fragt dich nicht. So ist das.
So lebten sie in Wirklichkeit, so lebten die Frauen; wir lügen nicht, denn so haben sie gelebt.

Damals wenn du in eine Kirche gingst oder in ein zeremonielles Zentrum, wo sie ein Fest machten, dorthin gingen auch die Frauen manchmal – jedoch mit gebeugtem Kopf. Das heißt, du durftest nicht den Kopf heben, du musstest gebeugt laufen, nicht zur Seite schauen, den Kopf bedeckt mit dem Rebozo (Anm.: Tuch, Tragetuch), so, auf solche Weise, dass dein Gesichtchen dort so verblieb.

So verging viel Zeit, in der der Mann diese schlechten Ideen mit sich schleppte, diese schlechten Lehren. So war das, Compañeros. Als ob wir nichts wären. Als ob nur die Männer Autoritäten sein könnten, nur sie auf die Straße gehen könnten, nur sie teilnehmen könnten.

Es gab keine Schule. In einigen Gemeinden gab es dann Schulen, aber auch da gingen wir nicht in die Schule, weil wir Frauen sind. Sie ließen uns nicht zur Schule gehen. Wenn wir zur Schule gingen, sagten sie, dass wir nur dorthin gehen würden, um einen Ehemann zu suchen, dass es besser wäre, die Küchenarbeit zu lernen, weil natürlich würden wir einen Ehemann haben und alles lernen müssen, wie der Ehemann zu bedienen sei.

Und wenn er uns schlug, wenn uns unser Ehemann beleidigte, konnten wir nicht Einspruch erheben. Und wenn wir Hilfe suchten bei anderen Institutionen der schlechten Regierung, – sie sind die Schlimmsten, weil sie die Männer unterstützen, den Männern mehr Recht geben.
Und wir blieben still, gedemütigt, beschämt eine Frau zu sein.

Wir hatten kein Recht, an den Versammlungen teilzunehmen. Sie sagten uns, dass wir eine »Dumme Trine« sind, unnütz, dass wir zu nichts taugen. Sie ließen uns im Haus zurück.
Wir hatten nicht die Freiheit.

Es gab keine Gesundheitsversorgung, obwohl es Kliniken gab, Hospitäler der schlechten Regierung. Das heißt, dass sie uns nicht versorgten, weil wir nicht spanisch sprechen konnten; und manches Mal kehrten wir zurück und viele Frauen und Kinder starben an heilbaren Krankheiten. Weil natürlich sind wir nichts für sie, diskriminieren sie uns, weil wir Indígenas sind; sie sagen zu uns, dass wir »feige Indios-Trampel« sind, dass wir die Kliniken, die Hospitäler nicht betreten können, weil sie uns nicht lassen, sie behandeln nur andere Leute – die, die Geld haben.

All das erlitten wir am eigenen Leib. Niemals hatten wir die Gelegenheit zu sagen, was wir viele Jahre gefühlt haben – wegen der Lehre durch die Konquistadoren und schlechten Regierungen.

Das ist alles, Compañeros. Die andere Compa wird jetzt fortfahren.

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