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Palabra del Ejército Zapatista de Liberación Nacional

Ene092015

Worte der EZLN anlässlich des 21. Jahrestages seit Beginn des Krieges gegen das Vergessen. Subcomandante Insurgente Moisés

1. Jänner 2015

Worte der EZLN anlässlich des 21. Jahrestages seit Beginn des Krieges gegen das Vergessen. Subcomandante Insurgente Moisés.

ZAPATISTISCHE NATIONALE BEFREIUNGSARMEE

MEXIKO

31. Dezember 2014 und 1. Jänner 2015.

Compañeras und Compañeros Familienangehörige der durch die schlechte Regierung dieses kapitalistischen Systems ermordeten und verschollenen Studenten von Ayotzinapa:

Compañeras und Compañeros des Nationalen Indigenen Kongresses:

Compañeras, Compañeros und Compañeroas der Sexta in Mexiko und auf der ganzen Welt:

Compañeras und Compañeros der Unterstützungsbasen der zapatistischen nationalen Befreiungsarmee:

Compañeras und Compañeros Kommandanten und Kommandantinnen, Chefs und Chefinnen des geheimen revolutionären indigenen Komitees – Generalkommandatur der EZLN:

Compañeras und Compañeros Milicianas und Milicianos:

Compañeras und Compañeros Insurgentes und Insurgentas:

Compas:

Durch meine Stimme spricht die Stimme der zapatistischen nationalen Befreiungsarmee.

Wir zapatistischen Männer, Frauen, Mädchen, Buben und Alte grüßen euch alle, die Frauen, Männer und AndereR die anwesend sind und auch die, die nicht persönlich hier sein können.

Willkommen seien der Schritt, die Stimme, das Gehör, der Blick, das kollektive Herz von unten und links.

Unter uns befinden sich als Ehrengäste die Familienangehörigen jener, die uns in Ayotzinapa, in Mexiko und auf der ganzen Welt fehlen.

Wir bedanken uns von ganzem Herzen und es ehrt uns, dass sie hier anwesend sind, bei uns, dem zapatistischen Volk.

Auch ihr Schweigen und ihre Worte ehren uns.

Ihr Schmerz und ihre Wut vereinen uns.

Vor dem Schmerz und der Wut von Ayotzinapa verschließen wir Zapatistinnen und Zapatisten weder unsere Ohren, noch wenden wir unseren Blick ab, Schmerz und Wut, den uns die Familienangehörigen zeigen und worüber sie sprechen.

Der Schmerz wegen der Toten und Verschwundenen. Die Wut wegen der schlechten Regierungen, die die Wahrheit verbergen und die Gerechtigkeit verweigern.

Was uns dieser Kampf von Ayotzinapa lehrt und woran er uns erinnert ist, dass wir nur als organisierte Voelker die Wahrheit finden werden.

Nicht nur die Wahrheit, die in Ayotzinapa verschwunden ist, auch alle Wahrheiten, die gekidnappt wurden, eingesperrt wurden und ermordet wurden, überall auf allen Winkeln dieses Planeten Erde.

Auf dieser Wahrheit, die jetzt verschollen ist, werden wir die Gerechtigkeit aufbauen können.

Denn wir Zapatistinnen und Zapatisten glauben, dass wir den schlechten Regierungen nicht mehr vertrauen dürfen, die es überall auf der Welt gibt.

Diese schlechten Regierungen, die nur den großen Kapitalist*innen dienen.

Diese schlechten Regierungen, die nur Dienstboten des Kapitals sind. Die Aufseher, Diener und Vorarbeiter der großen kapitalistischen Ranch.

Diese schlechten Regierungen werden niemals etwas Gutes für das Volk tun.

Egal was sie auch sagen, diese Regierungen befehlen nicht, denn der der wirklich befiehlt, ist der neoliberale Kapitalismus.

Daher dürfen wir den schlechten Regierungen nichts glauben.

Alles was wir als Voelker brauchen, müssen wir gemeinsam aufbauen.

So wie die Familienangehörigen der Ermordeten und Verschwundenen von Ayotzinapa ihre Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit aufbauen.

So wie sie ihren eigenen Kampf erbauen.

Wir möchten den Vätern und Müttern der verschwundenen Compañeros sagen, dass sie des Kampfes nicht müde werden und nicht aufhören, für Wahrheit und Gerechtigkeit für die 43 zu kämpfen.

Der Kampf der Familienangehörigen von Ayotzinapa ist Beispiel und Nahrung für jene, die wir Wahrheit und Gerechtigkeit wollen, auf allen Teilen dieses Planeten.

Sie sind uns ein Beispiel, die Eltern, die Haus und Familie verlassen um zu arbeiten und um andere Familien zu treffen, die die gleichen Schmerzen, die gleiche Wut verspüren und denselben Widerstand besitzen.

Die Hoffnung ruht nicht auf einem Mann oder einer Frau, einer Einzelperson, wie uns das jene glauben machen wollen die sagen ´wählt mich´ oder ´schließt euch dieser Organisation an, denn wir werden den Kampf gewinnen´.

So sagen sie es.

Aber: Welchen Kampf? Denn wir wissen wohl, dass sie nur an die Macht kommen wollen und einmal dort angelangt, vergessen sie alle und alles.

Daher ist es besser, wenn wir uns an den Familienangehörigen von Ayotzinapa ein Beispiel nehmen, uns zu organisieren.

Überall wo wir leben müssen wir uns organisieren und diese Organisation zum Wachsen bringen.

Wir müssen uns vorstellen, wie eine neue Gesellschaft sein wird.

Dazu ist es nötig, dass wir beobachten, wie es uns in der Gesellschaft, in der wir leben, geht.

Wir Zapatistinnen und Zapatisten sagen, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo wir ausgebeutet und unterdrückt werden, wo wir zum Verschwinden gebracht werden, wo wir beraubt werden und das über Jahrhunderte hinweg, durch Herren und Führer und bis heute, am Ende des Jahres 2014 bzw. zu Beginn des Jahre 2015 setzt sich diese Gesellschaftsform fort.

Seit damals haben sie uns immer täuschen wollen und jene von oben haben uns gesagt, dass sie, also die von oben, die Besten sind und dass wir unten zu nichts nütze seien.

Dass wir dumm sind, so sagen sie zu uns.

Dass sie denken können, etwas erschaffen können und sich was vorstellen können, und dass wir nur ihre Handlanger sind.

´Zum Teufel mit der Scheisse!´ ´Ya basta = es reicht!´ So sagten wir Zapatistinnen und Zapatisten im Jahr 1994 und dann mussten wir uns autonom regieren.

Wir Zapatistinnen und Zapatisten verstehen es so, dass die Anstrengungen und der Kampf voll Rebellion und Widerstand und mit Würde der Familienangehörigen der verschwundenen Studenten uns aufruft, uns zu organisieren, damit es uns nicht gleich ergeht.

Oder damit wir lernen, was wir tun müssen, damit es uns nicht gleich geht.

Oder was wir tun müssen, damit niemals mit jemand geschieht, was ihnen durch dieses System passierte, in dem wir leben.

Denn die Familienangehörigen von Ayotzinapa haben es sehr gut erklärt. Wie gute Lehrer haben die Familienangehörigen erklärt, dass der Verantwortliche des Verbrechens das System ist, die Ausführer sind seine Vorarbeiter.

Und das System hat auch Schulen für seine Vorarbeiter, Diener und Aufseher, das sind die politischen Parteien, die nur Posten suchen und vergeben, große aber auch kleine.

Dort werden die Lakaien der schlechten Regierungen ausgebildet. Dort lernen sie zu rauben, zu täuschen, aufzunötigen, zu befehlen.

Dort kommen die her, die die Gesetze machen, die Gesetzgeber.

Dort kommen die her, die mit Gewalt die Anwendung dieser Gesetze durchsetzen, das sind die Präsidenten, die großen, die mittleren und die kleinen, zusammen mit ihrem Heer an Polizisten.

Dort kommen die her, die jene richten und verurteilen, die die Gesetze nicht befolgen, das sind die Richter.

Und wir sehen, dass es keine Rolle spielt, ob diese Vorarbeiter, Diener und Aufseher Männer sind oder Frauen, ob sie weiß sind oder schwarz, gelb, rot, grün, blau, kaffeebraun, oder welche Farbe auch immer.

Die Aufgabe derer dort oben ist es, uns die wir unten sind nicht einmal atmen zu lassen.

Manchmal hat der, der den Mord befiehlt, die gleiche Hautfarbe wie der, der ermordet wird.

Manchmal haben der Mörder und das Opfer die gleiche Farbe und sprechen die gleiche Sprache.

Und weder der Kalender noch die Geographie spielen eine Rolle.

Der Kampf der Familienangehörigen und Compañeros von Ayotzinapa hat uns gezeigt, dass jene die kidnappen, morden und lügen, dieselben sind.

Dass jener, der die Lüge predigt, nicht die Wahrheit suchen wird.

Dass jener, der Ungerechtigkeit aufzwingt, kein Recht sprechen wird.

Und wir denken auch, dass es nicht immer so weiter gehen kann, überall, auf allen Ebenen.

Und das haben uns die Familienangehörigen von Ayotzinapa gelehrt, es ist besser, dass wir uns suchen und finden, wir die wir unter dieser Krankheit leiden, die Kapitalismus heißt.

Durch die Hand der Familienangehörigen von Ayotzinapa suchen wir die Verschwunden die es auf der ganzen Welt gibt, die wir sind.

Denn die Verschwundenen und Ermordeten, sind täglich, zu jeder Stunde, an jedem Ort die Wahrheit und die Gerechtigkeit.

Durch die Familienangehörigen der 43 haben wir verstanden dass Ayotzinapa sich nicht im mexikanischen Bundesland von Guerrero befindet, sondern überall in der Welt derer von unten.

Durch sie verstehen wir, dass der gemeinsame Feind für die Landbewohner so wie auch für die Städter der Kapitalismus ist, nicht nur in einem Land, sondern überall auf der Welt.

Aber dieser kapitalistische Weltkrieg trifft überall auf der Welt auf Menschen die rebellieren und widerstehen.

Diese Menschen in Rebellion und Widerstand organisieren sich, ganz nach ihren eigenen Gedanken, je nach ihrem Ort, je nach ihrer Geschichte, auf ihre Art und Weise.

Und in ihren Kämpfen der Rebellion und des Widerstandes lernen sie sich gegenseitig kennen und treffen ihre Übereinkommen um das zu erreichen was sie vorhaben.

Sie lernen sich kennen, aber sie urteilen nicht über den anderen.

Sie machen keinen Wettkampf darum, wer der Beste ist. Sie fragen nicht, wer mehr gemacht hat, wer voran geht, wer Avantgarde ist, wer befiehlt.

Was sie sich gegenseitig fragen ist, ob es irgendetwas Gutes gibt, was der Kapitalismus macht.

Und nachdem die Antwort die sie finden NEIN lautet, ja nicht nur das, ganz im Gegenteil, er verursacht uns Tausende von Übeln, dann ist es nur logisch, dass wir Tausend Formen haben, auf dieses Übel zu antworten.

Das heißt, die Frage lautet: wie macht man es, um gegen diese Übel zu rebellieren? Wie soll man widerstehen, damit das Boese des Kapitalismus nicht zerstört? Wie geht man es an, um das Zerstörte wiederaufzubauen, aber so, dass es nicht gleich sondern besser wird? Wie erhebt man den Gefallenen? Wie finden wir den Verschwundenen? Wie wird der Gefangene befreit? Wie leben die Toten? Wie errichten wir Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit?

Es gibt nicht nur eine Antwort. Es gibt keine Anleitung. Es gibt kein Dogma. Es gibt kein Glaubensbekenntnis.

Es gibt viele Antworten, viele Arten, viele Formen.

Und jeder und jede sieht seine Ergebnisse und lernt aus seinem eigenen Kampf und von anderen Kämpfen.

Während die von oben durch ihren Sold reich werden, werden die von unten reich an Erfahrungen im Kampf.

Und Schwestern und Brüder, wir sagen euch ganz deutlich, was wir Zapatistinnen und Zapatisten gelernt haben, indem wir uns ansahen und anhörten und die Welt ansehen und anhören.

Nicht durch eine Einzelperson wird uns das Geschenk der Freiheit, der Wahrheit und der Gerechtigkeit gemacht werden, das war noch nie so und es wird auch nie so sein.

Denn es ist nämlich so, meine lieben Freunde und Feinde, dass Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit keine Geschenke sind, sondern ein Recht, welches erobert und verteidigt werden muss.

Und wer das erreicht, das sind die Kollektive.

Wir die Voelker, Frauen, Männer und AndererE vom Land und aus der Stadt sind es, die Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit an der Hand halten müssen für eine neue Gesellschaft.

Das schlagen uns die Väter und Mütter der verschwundenen Compañeros vor.

Wir werden Tausende von Kampfarten anwenden müssen, um diese neue Gesellschaft zu erschaffen. Wir werden mit unterschiedlichem Engagement an der Erschaffung dieser neuen Gesellschaft teilhaben.

Alle müssen wir die Familienangehörigen von Ayotzinapa in ihrer Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit begleiten, einfach deshalb, weil es die Pflicht eines jeden, einer jeden von unten und links ist.

Und wir sagen begleiten, aber nicht sie befehligen, sie manipulieren, sie gebrauchen, sie verschwinden zu lassen.

Es handelt sich darum, mit ihnen gemeinsam zu kämpfen.

Denn kein ehrlicher Mensch kann sich an diesem Schmerz, dieser Wut und dieser Ungerechtigkeit erfreuen.

Schwestern und Brüder, Familienangehörige der Fehlenden von Ayotzinapa:

Die Zapatistinnen und Zapatisten unterstützen euch, denn euer Kampf ist gerecht und wahrhaftig. Denn euer Kampf muss der Kampf der gesamten Menschheit sein.

Ihr ganz allein und sonst niemand habt das Wort ´Ayotzinapa´ in das Vokabelheft der ganzen Welt hinein geschrieben.

Ihr mit eurem einfachen Wort. Ihr ohne anderen Caudillo als eurem schmerzenden und empörten Herzen.

Und das was ihr gezeigt habt, das hat den einfachen Menschen von unten und links viel Kraft und Mut gegeben.

Denn da draußen sagen und rufen sie, dass nur die Grosskopferten wissen, wie es geht, dass es nur die Führer und Caudillos verstehen, dass das nur mit politischen Parteien geht, nur mit Wahlen.

Und so brüllen sie herum, so laut, dass sie sich gegenseitig nicht mal hören und vor allem hören sie die Wirklichkeit nicht.

Und da tauchte plötzlich euer Schmerz auf und eure Wut.

Und dann habt ihr uns gelehrt, dass es auch unser Schmerz ist und auch unsere Wut.

Daher haben wir euch gebeten, dass ihr in diesen Tagen des Ersten Weltfestivals der Widerstände und Rebellionen gegen den Kapitalismus unseren Platz einnehmt.

Wir wünschen nicht nur, dass das edle Ziel erreicht wird, dass jene lebend zurückkommen, die uns heute fehlen.

Wir werden euch auch weiterhin mit unserer bescheidenen Kraft unterstützen.

Wir als Zapatist*innen sind dessen sicher, dass eure Fehlenden, die auch uns fehlen, wenn sie wieder präsent sein werden, sich nicht so sehr darüber wundern werden, dass ihre Namen in vielen Sprachen und vielen Geographien aufgeschienen sind. Auch nicht darüber, dass ihre Gesichter um die Welt gingen. Noch, dass der Kampf um ihr lebendes Wiedererscheinen ein globaler war und ist. Auch nicht, dass ihre Abwesenheit die Lüge, die Regierung wurde, zum einstürzen brachte, und den Terror der zum System wurde, angeklagt hat.

Sie werden sich dagegen wohl wundern, und zwar über die moralische Größe ihrer Familienangehörigen, von euch, die die Namen von ihnen nie fallen ließen. Und die sie weitersuchten, bis sie sie fanden, ohne aufzugeben, ohne sich zu verkaufen, ohne zu wanken.

Und dann, an jenem Tag, oder in jener Nacht, werden eure Abwesenden euch die gleiche Umarmung geben, welche wir Zapatistinnen und Zapatisten euch jetzt geben.

Eine Umarmung voller Zuneigung, voll Respekt und voll Bewunderung.

Und außerdem werden wir euch 46 mal umarmen, für jeden der Fehlenden:

– Abel García Hernández

– Abelardo Vázquez Peniten

– Adán Abraján de la Cruz

– Antonio Santana Maestro

– Benjamín Ascencio Bautista

– Bernardo Flores Alcaraz

– Carlos Iván Ramírez Villarreal

– Carlos Lorenzo Hernández Muñoz

– César Manuel González Hernández

– Christian Alfonso Rodríguez Telumbre

– Christian Tomás Colón Garnica

– Cutberto Ortiz Ramos

– Dorian González Parral

– Emiliano Alen Gaspar de la Cruz.

– Everardo Rodríguez Bello

– Felipe Arnulfo Rosas

– Giovanni Galindes Guerrero

– Israel Caballero Sánchez

– Israel Jacinto Lugardo

– Jesús Jovany Rodríguez Tlatempa

– Jonás Trujillo González

– Jorge Álvarez Nava

– Jorge Aníbal Cruz Mendoza

– Jorge Antonio Tizapa Legideño

– Jorge Luis González Parral

– José Ángel Campos Cantor

– José Ángel Navarrete González

-José Eduardo Bartolo Tlatempa

-José Luis Luna Torres

-Jhosivani Guerrero de la Cruz

-Julio César López Patolzin

-Leonel Castro Abarca

-Luis Ángel Abarca Carrillo

-Luis Ángel Francisco Arzola

-Magdaleno Rubén Lauro Villegas

-Marcial Pablo Baranda

-Marco Antonio Gómez Molina

-Martín Getsemany Sánchez García

-Mauricio Ortega Valerio

-Miguel Ángel Hernández Martínez

-Miguel Ángel Mendoza Zacarías

.-Saúl Bruno García

.- Julio César Mondragón Fontes

.- Daniel Solís Gallardo

.- Julio César Ramírez Nava

.- Alexander Mora Venancio

-*-

Compas, Frauen, Manner und AnderE:

Hier bei uns sind die Schwestern und Brüder der Orignialvoelker, welche durch das große Abkommen, welches Nationaler Indigener Kongress heißt, kämpfen.

Seit mehr als 500 Jahren haben wir uns als Originalvoelker auf den Wegen der Rebellion und des Widerstandes gesucht.

Seit mehr als 500 Jahren waren Schmerz und Wut Tag und Nacht Begleiter auf unserem Weg.

Seit mehr als 500 Jahren war unser Bestreben auf die Eroberung von Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit gerichtet.

Seit mehr als 18 Jahren haben wir uns als Nationaler Indigener Kongress getroffen, geführt von der Hand der verstorbenen Comandanta Ramona.

Seit damals haben wir versucht, Schüler und Schülerinnen ihrer Weisheit, ihrer Geschichte, ihrer Anstrengungen zu sein.

Seit damals haben wir gemeinsam den Druck der düsteren Kapitalismus-Karosse auf unseren Knochen, unserem Blut, unserer Geschichte aufgedeckt

Und wir nennen Ausbeutung, Beraubung, Unterdrückung und Diskriminierung beim Namen.

Und wir nennen das Verbrechen und den Verbrecher beim Namen: das kapitalistische System.

Aber nicht nur das, mit unseren Knochen, unserem Blut und unserer Geschichte nennen wir auch Rebellion und Widerstand der Originalvoelker beim Namen.

Mit dem Nationalen Indigenen Kongress erheben wir die würdige Farbe der Erde, die wir sind.

Mit dem Nationalen Indigenen Kongress haben wir gelernt, dass wir uns gegenseitig respektieren müssen, dass wir alle unseren Platz haben werden mit unseren Forderungen.

Wir haben verstanden, dass im Moment Wahrheit und Gerechtigkeit für Ayotzinapa das Wichtigste sind.

Was uns heute am meisten schmerzt und entrüstet ist, dass die 43 nicht bei uns sind.

Wir wollen nicht, dass uns morgen dasselbe passiert, daher werden wir das alles in unseren Völkern, Nationen, Tribus und Barrios weitersagen.

Wir rufen unsere Voelker auf, dass sie nicht mehr erlauben, dass man uns weiterhin täuscht mit lausigen Brosamen, damit wir den Mund halten und damit die Herrschenden sich weiterhin auf unsere Kosten bereichern können.

Vereinen wir unsere Wut und organisieren wir uns, und dann kämpfen wir in Würde und ohne uns zu verkaufen, ohne aufzugeben, ohne schlapp zu machen um unsere politischen Gefangenen, welche deshalb eingesperrt sind, weil sie gegen die Ungerechtigkeiten, die wir erleiden kämpften.

Als Originalvoelker kämpfen wir für das, was unser Recht ist, wir wissen, wie das geht, unsere Ur-Urahnen haben es uns gelehrt, sie haben sie nicht fertig machen können, die Originalvoelker dieser Böden.

Daher haben wir so viele Sprachen, denn sie haben es verstanden, unsere Altvorderen, dass sie nicht fertig gemacht wurden, und jetzt sind wir daran, wir müssen dasselbe tun.

Alle müssen wir NEIN sagen zu den transnationalen Unternehmen.

In unseren Völkern, Nationen, Barrios und Tribus müssen wir alle darüber nachdenken, was wir machen werden, wie wir es machen werden, wir müssen darüber nachdenken, wie wir miteinander kommunizieren werden und darüber, was die schlechte Regierung mit uns macht.

Wir müssen uns organisieren und uns gegenseitig beschützen.

Denn sie werden uns kaufen wollen, sie werden uns Brosamen geben wollen, sie werden uns kleine Posten geben wollen.

Sie werden mit allen Mitteln versuchen, uns zu spalten, sie werden alles tun, dass wir uns streiten und uns gegenseitig umbringen.

Sie werden versuchen, uns zu dominieren, uns zu kontrollieren, uns zu beeinflussen.

Sie werden Spione einschleusen und sie werden versuchen, uns alle möglichen Ängste einzujagen.

Und sie werden uns Tausende von Fallen stellen, damit wir fallen und aufhören, für unser Volk zu kämpfen.

Aber werden wir denn gar erlauben, dass sie uns nochmals 520 Jahre lang wie ihren Abfall behandeln?

Wir wollen nur in Frieden leben, ohne Ausbeutung des Menschen durch einen anderen, wir wollen Gleichheit von Mann und Frau, Respekt für den/die AnderEn und dass wir gemeinsam unser Schicksal entscheiden, die Welt, die wir möchten, wir Menschen vom Land und von der Stadt.

Wir sind sicher, dass wir die beste Art zu leben kennen, ganz anders als die, die sie uns jetzt aufzwingen.

Wir Zapatistinnen und Zapatisten möchten die Originalvoelker des nationalen indigenen Kongresses bitten, dass sie die Familienangehörigen derer von Ayotzinapa umarmen und sie in ihren Territorien empfangen.

Wir bitten sie, dass sie ihre Schritte und ihre Herzen einladen.

Wir bitten für sie die Ehre ihres Wortes und ihres Gehöres.

Gross ist die Weisheit die in den Herzen der Originalvoelker wohnt, und sie wird noch grösser, wenn sie Worte des Schmerzes und der Wut mit diesen Menschen austauschen.

Wir, die wir die Beschützer und Beschützerinnen der Mutter Erde sind wissen wohl, dass unser Weg lang ist und dass wir Begleitung brauchen.

Der Weg ist noch so lang und wir dürfen nicht anhalten.

Und daher werden wir weiter voranschreiten.

Als Originalvoelker kennen wir sie gut, die Erde, wir arbeiten auf der Mutter Erde, wir leben von dem, was sie uns gibt, wir beuten sie nicht aus.

Wir sorgen für sie, wir lieben sie und wir werden in Frieden in ihr ruhen.

Wir sind die Beschützerinnen und Beschützer der Mutter Erde.

Mit ihr sind wir zu allem fähig, ohne sie stirbt alles, ist alles sinnlos.

Als Originalvoelker ist unsere Stunde gekommen, jetzt und immer.

-*-

Compañeras, Compañeros und Compañeroas der nationalen und internationalen Sexta:

In diesen Tagen gab es wieder einen Gedankenaustausch, mit denen die persönlich hier waren aber auch mit denen, die nicht persönlich anwesend sein konnten, ein weiterer Schritt, den wir zusammen mit der Sexta gehen müssen und jeder und jede in seinem/ihren eigenen Ort, bei seinem/ihren Kampf, nach seiner/ihrer Art und Weise, nach seiner/ihrer Geschichte.

Es kommt vor, dass die Geschichte die passiert, uns etwas vor die Füße wirft, das uns eint, ganz egal auf welcher Geographie das passiert, ganz egal auf welchem Kalender unseres Kampfes.

Ayotzinapa war solch ein Punkt, wo wir zusammengekommen sind.

Es reicht nicht.

Arbeiten wir, organisieren wir uns, kämpfen wir um unsere verschwundenen Compañer@s und kämpfen wir um unsere Gefangenen.

Lasst uns Wirbelwinde auf der ganzen Welt loslösen, damit sie uns unsere Verschwundenen lebend zurückgeben.

Lasst uns eins werden. Eins sind wir als menschliche Wesen, aber es gibt Bestien, die uns verschwinden lassen, das sind die Kapitalisten.

Lasst uns eine einzige Welle bilden und diese Bestien umhüllen und ertränken wir diese Ruchlosen, die so viel Leid auf der Welt angerichtet haben.

Wir kümmern uns umeinander, wie es uns die Familienangehörigen von Ayotzinapa gelehrt haben.

Ohne Ruhe, so wie sie, ohne die Gelegenheit auszunützen, um andere Interessen zu befriedigen.

Compañeros und Compañeras, lasst aus unseren Köpfen die schlechte Bedeutung des Wortes ´ausnützen´ verschwinden.

Lasst uns an die gute Bedeutung dieses Wortes denken, lasst uns unser gemeinsames Gut nützen und ausnützen. Wir haben lange genug unter denen gelitten, die es ausnützten, uns auszubeuten.

Und außerdem lassen sie uns verschwinden, foltern sie uns und sperren sie uns ein.

Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden ist unser Ziel.

Es ist hoch an der Zeit, dass wir, die Armen der Welt beginnen, eine andere Welt, eine gerechtere zu errichten, wo wir die zukünftigen Generationen dafür vorbereiten dass sie nicht erlauben, dass das Wilde neoliberale Kapital zurückkehrt.

Lasst uns den Schrei der 43 jungen Compañeros hören, der uns sagt ´sucht uns und findet uns, erlaubt nicht, dass unser Schrei erstickt wird, wir 43, die wir gleich wie ihr seid, man hat uns unsere Freiheit geraubt, wir sehen es, ob ihr für uns kämpft, und wenn ihr das nicht tut, dann heißt das, dass ihr nicht für andere darum kämpfen werdet, worum ihr für euch selber kämpft.´

Der Schrei der 43 Compañeros sagt uns ´helft uns, begleitet uns, kämpft, organisiert euch, arbeitet, geht an der Seite unserer Familienangehörigen, die bereits allein gelassen werden, denn es kommen die Wahlen, das machen sie mit uns, sie vergessen uns´.

Lasst uns zu den Kämpfen die wir kämpfen, den Kampf um die Verschwundenen hinzufügen. Lasst uns die Abwesenden beim Namen nennen. Lasst uns das Verbrechen deutlich aussprechen. Lasst uns den Verbrecher deutlich bezeichnen.

Die Familienangehörigen von Ayotzinapa haben unsere Kraft zur Rebellion und zum Widerstand bestärkt, sie haben unsere Augen weiter geöffnet und sie haben dazu beigetragen, dass unsere würdige Wut gewachsen ist.

Sie haben uns einen Weg gezeigt und gesagt, dass es ihnen egal ist, ihr Leben für ihre Verschwundenen hinzugeben, wenn das nötig ist.

Und sie zeigen uns auch, dass es nötig ist, dass wir uns organsieren, wir alle, die wir Verschwundene zu beklagen haben, und auch jene, die bis jetzt noch keine Verschwundenen haben, aber es wird dazu kommen, wenn wir uns nicht organisieren, denn die Narcoregierungen bestehen weiter.

Sie zeigen uns, dass wir kämpfen müssen, dass es uns egal sein muss, ob wir in den bezahlten Medien aufscheinen oder nicht, was wichtig ist, ist das Leben und keine weiteren Toten und keine weiteren Verschwundenen.

Sie zeigen uns, dass es Zeit ist, uns zu organisieren.

Es ist Zeit, dass wir selbst unser Schicksal in die Hand nehmen.

So einfach ist das und gleichzeitig so schwierig.

Denn das erfordert Organisation, Arbeit, Kampf, Rebellion und Widerstand.

Nur mit Bewegung und Organisation können wir von unten uns verteidigen und befreien.

-*-

Compañeras und Compañeros der nationalen zapatistischen Befreiungsarmee.

Es war ein schwieriges Jahr.

Der Krieg geht weiter, gegen unseren Willen zum Frieden.

Der Herrscher versucht weiterhin unsere Freiheit zu ermorden.

Die Lüge geht weiter und versucht unsere Anstrengung zu verbergen.

Unser Blut und unser Tod sind weiterhin Dünger unserer Berge.

Bereits seit einiger Zeit, dehnen sich Schmerz und Tod, welche früher nur für uns bestimmt waren, auf andere Gegenden aus und erreichen andere Männer, andere Frauen, und AnderEr auf dem Land und in der Stadt.

Die Dunkelheit wird länger und schwerer auf dieser Welt, in der jeder/jede von uns sich befindet.

Das haben wir aber gewusst.

Das wissen wir.

Dafür haben wir uns vorbereitet, Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte.

Unser Blick schaut nicht nur auf das Naheliegende.

Nicht nur das Heute schaut er, nicht nur auf unseren Boden blickt er.

Weit im Kalender und in der Geographie schauen wir und so denken wir uns.

Es werden immer mehr, mit denen uns der Schmerz vereint, aber auch die Wut.

Denn jetzt und seit längerer Zeit sehen wir, dass sich an vielen Orten die Lichter entzünden.

Lichter der Rebellion und des Widerstandes.

Manchmal so klein wie das unsere.

Manchmal große.

Manchmal dauert es lange.

Manchmal ist es nur ein Funken, der schnell erlischt.

Manchmal leuchtet es weiter und weiter, und wird nicht mehr vergessen.

Und durch all diese Lichter spürt man, dass das Morgen, welches kommen wird, ganz anders sein wird.

Aber das haben wir ohnehin gewusst, vor 21 Jahren, vor 31 Jahren, vor 100 Jahren, vor 500 Jahren.

Wir wissen ohnehin, dass wir täglich kämpfen müssen, stündlich, überall.

Wir wissen ohnehin, dass wir nicht aufgeben, dass wir nicht käuflich sind und dass wir nicht wanken werden.

Und wir wissen ohnehin, dass fehlt was fehlt.

-*-

Compas alle Frauen, Männer, AlleR:

In den nächsten Tagen, Wochen, Monaten werdet ihr mehr von uns hören, unser Wort, unsere Gedanken, wie wir die kleine Welt sehen und die große Welt.

Es werden schwierige Worte und Gedanken sein, denn sie sind einfach.

Denn wir sehen deutlich, dass die Welt nicht mehr so ist wie vor 100 Jahren, hm, nicht einmal mehr so wie vor 20 Jahren.

Als Zapatist*innen die wir sind, obwohl klein, denken wir über die Welt nach.

Wir beobachten sie in ihren Kalendern und Geographien.

Das kritische Denken ist für den Kampf unerlässlich.

Theorie nennen sie das kritische Denken.

Nicht das Faulpelz-Denken, welches sich mit dem Bestehenden zufrieden gibt.

Nicht das dogmatische Denken, das zum Herrscher wird und uns was aufzwingt.

Nicht das betrügerische Denken, welches lügt.

Wohl das Denken, welches fragt, hinterfragt und zweifelt.

Selbst in den schwierigsten Situationen darf man das Prüfen und die Untersuchung der Realität nicht vernachlässigen.

Studium und Untersuchung sind auch Waffen für den Kampf.

Aber weder die Praxis allein, noch die Theorie allein.

Das Denken das nicht kämpft, verursacht nur Lärm, sonst nichts.

Der Kampf der nicht denkt, wiederholt seine Fehler und erhebt sich nicht, nachdem er gefallen ist.

Und Kampf und Denken verbinden sich in den Kriegerinnen und Kriegern, in der Rebellion und im Widerstand, welche heutzutage die Welt erschüttern, auch wenn Schweigen ihr Klang ist.

Wir Zapatistinnen und Zapatisten denken und kämpfen.

Wir kämpfen und denken in diesem kollektiven Herz, welches wir sind.

-*-

Compañeras, Compañeros, Compañeroas:

Es gibt nicht nur einen Weg.

Es gibt nicht nur einen Schritt.

Es ist nicht die gleiche Art und Weise, derer die gehen und derer, die kämpfen.

Es ist nicht nur einer der Wanderer.

Sie sind unterschiedlich die Zeiten und Orte und viele sind sie, die Farben die leuchten, unten und links auf der Erde, die schmerzt.

Aber das Ziel ist dasselbe: die Freiheit. Die Freiheit. DIE FREIHEIT.

-*-

Compañeros, Compañeras, Compañeroas:

Schwestern und Brüder:

21 Jahre nach dem Beginn des Krieges gegen das Vergessen ist das unser Wort:

WAHRHEIT UND GERECHTIGKEIT FUERYOTZINAPA!

WAHRHEIT UND GERECHTIGKEIT FUER MEXIKO UND FUER DIE GANZE WELT!

TOD DEM TOD, DEN UNS DER KAPITALISMUS AUFZWINGT!

ES LEBE DAS LEBEN, WELCHES DER WIDERSTAND ERSCHAFFT!

FUER DIE MENSCHHEIT UND GEGEN DEN KAPITALISMUS!

REBELLION UND WIDERSTAND!

Aus den Bergen des Südostens von Mexiko.

Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee – Generalkommandatur der Nationalen Zapatistischen Befreiungsarmee.

Subcomandante Insurgente Moises.

Mexiko, Jänner 2015.

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