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Palabra del Ejército Zapatista de Liberación Nacional

Nov022026

Zapatistische Vorbereitungen für das umarmende Treffen mit den Familien Sucherinnen. Teil IV. Ein Comando in Schwierigkeiten.

Musik: Ely Guerra: »Colmena – Bienenkorb«
Aufnahmen, Zusammenstellung, Produktion: Terci@s Compas Zapatistas

Zapatistische Vorbereitungen für das umarmende Treffen mit den Familien Sucherinnen.
Teil IV. Ein Comando in Schwierigkeiten.

Die zapatistische Delegation befindet sich am 26. Oktober bei den Geburtstagsfeierlicheiten des SubPedro ([am 1. Januar 1994] während der Einnahme der Kreisstadt Las Margaritas im Kampf gefallen). Diese Hommage wird seit 32 Jahren jedes Jahr [zu seinem Geburtstag] begangen. Es gibt Gedichte, Lieder, Corrido-Musik, Rätselspiele und Tanz.

Ich sitze vergeblich darauf wartend, dass mir Tamales gebracht werden, auch wenn sie nicht gar sein sollten. Aus der Weite sehe ich, was geschieht.

Verónica (acht Jahre alt, im Dezember wird sie neun, das heißt, sie tritt ins zehnte Lebensjahr ein) – die Anführerin des traurig-berühmten »Comando Popcorn« – wartet geduldig, dass der SubMoy eine der Versammlungen der zapatistischen Leitung verlässt. In einer Art »Flankenmanöver« fängt sie den Hauptkoordinator der Reise für das Leben – Kapitel Mexiko ab und lässt ohne Übergang vom Stapel: »Wir haben ein Problem.«

Der SupMoy erwidert fast unmittelbar: »›Wir haben?‹ Das klingt nach Europäischer Union. Du hast [wohl ein Problem].«

Auf Verónicas Weise, in »Comando Popcorn«-Version, bedeutet: »Wir haben ein Problem« in Wirklichkeit so etwas wie: »Ich habe ein Problem verursacht, und an dir ist, es zu lösen.«

Die kleine Spitzbübin und verflixte Teufelsgöre wischt die kritische Beobachtung des SubMoy vom Tisch, indem sie zusammenfasst: »Na, die T-Shirts.«

Der SubMoy stutzt: »Welche T-Shirts? Ich weiß nichts von T-Shirts.« Verónica geht zum Angriff über: »Weil es nun neue Popcorns gibt, und sie haben kein T-Shirt. Wie soll erkannt werden, dass wir  Popcorns sind, wenn wir keine T-Shirts haben?«

»Nun, durch den Unfug, den ihr veranstaltet. Lasst es sein, und dann sehen wir, ob es T-Shirts gibt oder nicht«, meint der SubMoy dazu.

Verónica ist vorbereitetet und gegenargumentiert: »Wie sollen wir denn keinen Unfug machen, wenn wir doch kleine Mädchen sind? Ansonsten wären wir ja vergeblich Mädchen. Der Capitán sagt: Alle Mädchen haben das Recht, Schabernack zu treiben, nur die Jungen nicht, sie werden bestraft.« (Anmerkung der Redaktion: Das stimmt nicht, das habe ich nicht gesagt.)

»Ach so«, atmet der SubMoy erleichtert auf, »dann regelt das mit dem Capitán. Das geht auf seine Kappe, nicht auf meine«, und geht weg.

Verónica macht sich knurrend in Richtung zu mir auf. Ich versuche aufzustehen und zu fliehen, jedoch stürze ich, und als ich mich wieder aufrichte, hat die neue Truppe des »Comando Popcorn« mich bereits umzingelt und bildet einen Kreis. Ich habe den Verdacht, nicht um mich zu schützen, sondern damit ich nicht entfleuche.

»Warum sollte ich bereits vorher leiden? Dies dauert lange genug an: in der Schule, bei den Schulaufgaben, den Aufgaben in der Gemeinde, während der Regel, die Menstruation genannt wird, bei den Freunden – davon am besten mehrere falls einer versagt – den Lieben und Entlieben, der Beziehung, bei der du geruhsam wirst, daraufhin die Kinder – und ehe du es bemerkst, bist du in der Menopause. Selbst wenn wir Urenkel haben, werden wir noch keine T-Shirts haben. Das ist einfach unglaublich.«

Ich sage nichts und schaue verzweifelt um mich herum.

»Dem Monarca habe ich doch gesagt: Eine Liste mit den T-Shirt-Größen wird gebraucht, um sie in Auftrag zu geben«, verteidige ich mich.

»Ich habe diese schon übergeben«, gibt die verflixte Göre zur Antwort.

Monarca tut so als ob nichts wäre, betrachtet den Boden und entgegnet: »Ich werde jetzt den LKW durchchecken.«

»Hau nicht ab, Monarca«, schreit das Mädchen, »denn ich habe dir die Liste gegeben.«

Die verdammte Liste ist ein zweiseitiges Papier, worauf die Namen der neuen Mitglieder des »Comando Popcorn« sowie ihre Kleidergrößen, von Verónica eigenhändig geschrieben, stehen. Einen Schnappschuss der Liste könnt Ihr hier sehen:

Mithilfe einer besonderen App, die alle existierenden und noch nicht existierenden Codes entziffert, kommt eine Art von Übersetzung heraus. Eine Analystin, spezialisiert in Archäologie und seltsamen Sprachen, dechiffriert einen Namen: »Sofilla«. Mit diesem ist der Rest leichter aufzulösen.

Verónica erklärt, sie hat rechtzeitig [ihren Auftrag] erfüllt, und es ist Monarcas Schuld, wenn er die Liste nicht übergeben hat. Sie schimpft auf Monarca, der hinter das Fahrzeug flüchtet.

Daraufhin trägt Verónica vor: »Ich fordere einen gerichtlichen Zweikampf, ein Gottesurteil, und ich wähle die Pelusa [die Flauschige] als meine Champ*.« Die Pelusa ist eine kleine Hündin, sie ist klein wie ein Fellknäuel, wird jedoch genauso wütend wie jeder andere Hund: Sie verteidigt die Hühner und kleinen Katzen gegen Tlacuaches und [andere] Ratten (ohne hiermit beleidigen zu wollen), und selbst Sperber nähern sich den Hütten nicht.

Da der Tzotz [der Haarige] mit einer [anderen] kleinen Hündin flirtend unterwegs ist, bleibt Monarca lediglich der Tragón [der Vielfraß] als Option. Der liegt jedoch rücklings, mit dem Bauch nach oben, und genießt eine Sonne, die nach Tagen heftigen Regens endlich hervorkommt.

Ich mache Monarca ein Zeichen. Er begreift und meint: »Compañero Capitán, der SubMoy sagte,  zusammen mit dem [Menschenrechtszentrum] Frayba muss die Registrierung [für die Treffen in Mexiko-Stadt im Dezember] durchgesehen werden.«

Wir entfliehen. Was mich jedoch sorgt, ist: Ich konnte sehen, wie sich das gesamte »Comando Popcorn« im Kreise versammelt, um zu konspirieren.

Glaubt Ihr, ich sollte mir Sorgen machen?

Die Tamales sind nie angekommen, stattdessen wurden einige steinharte Brötchen geschickt. Der Brallan meint zu mir, er wird sie aufbewahren, sie taugen als Munition für die Schleuder.

Der Capitán.
Oktober 2026.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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